Gedanken des Regisseurs zur Inszenierung der

„Hochzeit von KANA“

von René Schnoz

Ich erinnere mich gut, als ich den Initianten und Autor der „Hochzeit von Kana“, Arno Schocher, das erste Mal traf. Das innere Feuer dieses älteren Herrn faszinierte mich. Ein Biochemiker, der mit fünfzig Jahren noch Theologie studierte und Pfarrer wurde, berichtete mir von einer speziellen Begegnung. Er hatte ein tief greifendes Erlebnis im Australischen Outback erfahren und wollte nun dieses Ereignis und seinedaraus resultierenden Schlussfolgerungen unbedingt der Menschheit weiter geben. Dafür wählte er die Form einer Szenischen Kantate. Ich brauchte nicht lange zu überlegen undübernahm die Regie. Denn obwohl ich der christlichen Religion mit einer gehörigen Portion Skepsis begegne, treibt auch mich die Frage nach dem Sinn der Menschheit um. Und nach dem „Wer oder was ist Gott?“
Ich sehe in der Kantate drei verschiedene Stränge: Zuerst ist da der „Urschrei“ eines Menschen, der erkennt, dass er sein Leben lang nicht die Wahrheit erfahren und somit auch nicht weitergegeben hat - die Erkenntnis, dass zwei sich liebende Menschen in der leiblichen Vereinigung Gott oder dem Göttlichen am nächsten sind. Dass also der Sinn des sexuellen Aktes zweier Liebenden nicht in erster Linie die Zeugung von Nachkommen, sondern eine Art Gottesdienst bedeutet.
Darauf folgt eine archaisch anmutende Szene, in der die Menschen nach Ordnung und Sicherheit dürsten. Sie verlangen nach einem Führer, und als dieser erscheint, ruft er nach dem Klonus, der wiederum die Weltverführungsmächte repräsentiert – Politiker, Sportikonen, Showstars, Manager, „Halbgötter in Weiss“ usw.
Nun beginnt die eigentliche Hochzeit von Kana, in der die Brautgesellschaft im Alkoholrausch ihren falschen Götzen huldigt - Konsum, Karriere, Kapital usw. Der Wein geht aus und Maria ruft Jesus, damit dieser hilft. Jesus, Maria und Sophia erläutern uns die authentische Sprache des Schöpfers in der molekularen Genetik. Die DNA mit ihrer Doppelhelixform erinnert an zwei sich liebende Wesen, die sich umschlingen. Das Transport- oder Transfer-Molekül t-RNA, das in seiner Form dem Kreuzzeichen Jesus ähnelt, bildet die Brücke zwischen der DNA und der neuen Zelle. Es setzt den Plan der DNA um in lebendiges Fleisch und ist somit auch Symbol für Jesus, der Gottes Plan in  unsere Seelen bringen will. Alles ist Symbol und Wirklichkeit zugleich.
Jesus lässt nun in die Ritualgefässe Wasser giessen und verwandelt dieses in neuen Wein. Der neue Wein ist gleichsam Sinnbild für die wahre Botschaft, die beseelte Nahrung, den Geist Gottes.
Diese Botschaft schliesslich erfahren wir im Buch Salomon „Das Hohelied der Liebe“: Das Erlebnis des Einsseins von Mann und Frau ist Abbild vom Verhältnis des Schöpfers mit seinem Geschöpf Mensch.
Der Stoff verlangt nach einer vielfältigen Umsetzung; Gesagtes wird getanzt, Gedachtes wird gesungen, die Musik transponiert das beschränkte Wirken der Worte in andere Gefilde.

Powered by
scicomp.ch